Freiwillige Feuerwehr Lüdinghausen

Löschzug Seppenrade

Aus der Geschichte der Feuerwehr

Mit der Entdeckung des Feuers ist den Menschen eine wohltätige Kraft aber auch eine Urgewalt bekannt geworden, die, wenn sie sich unbewacht entfaltet, großes Leid bringen kann.

Aus der mittelalterlichen Geschichte ist uns bekannt, dass die Pest und die verheerende Macht des Feuers gefürchtet waren. Ein ausgebrochenes, unkontrolliertes Feuer konnte eine ganze Stadt in Schutt undAsche legen. Als Löschhilfsmittel dienten nur Leitern, Feuerhaken zum Einreißen von Gebäudeteilen und möglichst viele Leinwand- oder Ledereimer. Diese Eimer waren notwendig um mittels einer Menschenkette das Wasser zum Brandherd zu schaffen. Am 30. November 1841 wurde vom preußischen Innenminister eine “FeuerpolizeiVerordnung“ für die Provinz Westfalen veröffentlicht. Erstmals wurden hier Vorschriften zur Durchführung der Brandbekämpfung und zur Vorbeugung von Feuergefahren erlassen. Jede Gemeinde wurde verpflichtet eine Feuerwehr zu gründen und entsprechendes Gerät bereitzuhalten. Wenn sich in einer Gemeinde keine freiwillige Feuerwehr zusammen fand wurde die löschfähige Bevölkerung zur Pflichtfeuerwehr, durch Polizeiverordnung und Gemeindesatzung, zusammengeschlossen.



Aus dem Kirchenarchiv

Die erste Erwähnung über Feuervernichtungen in Seppenrade sind im Kirchenarchiv zu finden. Von Pfarrer Conradus Elvervelt lassen sich folgende Niederschriften nachlesen:

Anno 1723 den 10 Fe (Februar) auff... Aschetag ist Seppenrade eingeeschert.

Anno 1728 den 10 junij ist Seppenrade wiederumb eingeäschert.

Anno 1782 den 5 April sint 6 und halbe Wohnungen wiederum eingegeäschärt. die Häuser der verbrannten sind folgende: Anton Kocks – die Wohnung nebst dehme neben hauß, Benker Deuter (?), Becker und ein halb hauß von Bloemsatt, Johan Henrich Kordell.

Anno 1789 d. 3 8ober morgens zwischen 3 und 4 sind folgende haußer Verbrand: Bresters, Deckings Haus, Kocks, Benckers, Pänters, Bloemsats 2 Hauser, Nandrups leibzugt, Berns leibzugt, Daldrups leibzugt und die Küsterei“

Diese Brände sind alle im Ortskern vorgekommen. Es lag daran, daß es nur offene Feuerstellen gab. Bei der damaligen Bauweise mußte ein Feuer immer unter Beobachtung gehalten werden, damit ein Funkenflug oder ähnliches vermieden oder ggfs. sofort bekämpft werden konnte.

Die damalige Provinzialregierung hatte seinerzeit die große Gefahr erkannt und entsprechende Bestimmungen erlassen. Die Bewohner waren bei dem Ausbruch eines Feuers auf sich allein gestellt. Das Feuer konnte nur mit den damaligen Hilfsmitteln bekämpft werden. Bis ins 20. Jahrhundert mußten die Feuerwehrleute sich trotz “Modernisierung“ (mit heute verglichen oft bescheidenen Mitteln) diesen Naturkatastrophen zur Wehr setzen.



Aus dem Archiv der Stadt Lüdinghausen

Die ältesten Aufzeichnungen im städtischen Archiv bezüglich der Feuerwehr datieren aus den Jahren um 1800. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurden Feuervisitationen durchgeführt (heutige Brandschau), um bereits im Vorfeld die Gefahren des Feuers einzuqrenzen. So wurde schon zum damaligen Zeitpunkt die Bevölkerung auf Gefahren aufmerksam gemacht, die damals viel größer waren, weil z.B. andere Baumaterialien Verwendung fanden. Seit dieser Zeit werden auch die einzelnen Brände von der Verwaltung schriftlich festgehalten.
So wurde auch notiert, daß beim großen Brand im Jahre 1832 in der Lüdinghauser Innenstadt die Seppenrader Feuerwehr nicht zur Hilfe eilte, da der Nachtwächter seinen Dienst wegen Trunkenheit nicht ordnungsgemäß versah und das Feuer, das weithin sichtbar gewesen sein muß, nicht bemerkte. Nach der anschließenden Untersuchung mußte er seinen Posten abgeben.

Der Gemeinderat stellte am 20.April 1837 fest, daß das Spritzenhaus neben der Pfarrkirche wegen Baufälligkeit abgerissen werden mußte. Gleichzeitig wurde bemängelt das Haken und Feuerlöscheimer fehlten. Als Sofortmaßnahme wurden 86 Eimer beschafft. Ein neues Spritzenhaus sollte gebaut werden, wobei neben der Feuerspritze auch eine Wachstube und eine Arrestzelle im neuen Gebäude untergebracht werden sollten. Im März 1838 wurde der Bürgermeister vom Landrat mit einer Strafe belegt, da er nicht frühzeitig den Gemeinderat auf den desolaten Zustand des Spritzenhauses hingewiesen und auf Abhilfe gedrängt hatte.

Im gleichen Jahr wurde von der Familie Schulze Dieckmann der Garten und von der Familie Schulze Böckmann ein Gebäude am Gausemarkt erworben. An dieser Stelle wurde das neue Spritzenhaus errichtet. Auch die Ausrüstung wurde weiter vervollständigt. So wurden unter anderem im Jahr 1840 ein Wagenschmiertopf, 2 Leitern und 6 Kübel angeschafft. Am 23. Januar 1841 verfügte die Feuerwehr Seppenrade über folgende Hilfsmittel:
 
2 Feuerspritzen  
2 Vorspannketten 
4 Nothaken 
86 Feuereimer 
4 Feuerleitern

Im Jahre 1842 wurde die Feuerwehr von Kapitän Lohkamp und seinem Stellvertreter Rüschkamp geführt. Zu diesem Zeitpunkt mag es aber auch schon Feuerwehren in den Bauernschaften gegeben haben, da im Jahre 1844 die Führung der Feuerwehr folgende Namen auf weist:


Feuerlöschdirigent Rüschkamp 
Stellvertreter Lohkamp
Tetekum Kolon Gosmann
Ondrup Kolon Schulze Spüntrup
Leversum Schmied Uphoff 
Reckelsum Kolon Linnemann


Im Jahr 1885 wurde vom Gemeinderat der Beschluß gefaßt an der Ondruper Schule ein neues Spritzenhaus zu bauen und eine Feuerspritze samt Zubehör zu beschaffen. 1886 wurden 2 Feuerspritzen von der Stadt Münster für die Bauernschaften Ondrup und Leversum erworben. Somit besaß die Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt 4 Feuerspritzen. Im Jahr 1889 wurde die Firma Theiselmann beauftragt in der Bauernschaft Reckelsum ein Spritzenhaus zu erstellen. (Eine genauere Ortsangabe ließ sich leider nicht feststellen.)

Die Wartung der Feuerspritzen oblag den Spritzenführern, die eine Entlohnung von der Gemeinde für ihre Aufgaben bekamen. So bekam Anton Benker ab dem Jahr 1900 ein Jahresentgelt in Höhe von 12,-- Reichsmark. Er wurde im Jahr 1913 von Heinrich Krebber abgelöst.

Die Bezahlung war auch wohl ein Grund für die Einführung der Freiwilligen Feuerwehren. Damit sollten auch die Gemeindekassen entlastet werden. So mahnte der Landrat im Jahre 1923 den Bürgermeister an, die Feuerwehr auf Freiwilligkeit einzurichten. Die Gemeinden Seppenrade und Capelle hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine freiwillige Feuerwehr.



Die Seppenrader Feuerlöschordnung von 1886

Die älteste noch vorhandene Feuerlöschordnung datiert aus dem Jahr 1886! Diese besagte, dass sich die Gemeinde-Feuerwehr durch freiwilligen Beitritt und mittels Heranziehung, gemäß der Feuer-Polizei-Verordnung für die Provinz Westfalen vom 30. November 1841 und der zusätzlichen Bestimmungen für den Kreis Lüdinghausen vom 16. August 1849, bildet. Feuerlöschdienstpflicht bestand für alle Eingesessenen im Alter von 18 bis 55 Jahren.

Die Feuerwehr Seppenrade bestand aus drei Löschzügen. Hierbei muß davon ausgegangen werden das zu diesem Zeitpunkt auch drei Pumpen vorhanden waren. Der Löschzug war in drei Abteilungen untergliedert. Es handelte sich dabei um eine Spritzen-, Wasser- und Steigerabteilung. Die Wasserabteilung wurde nochmals in drei Rotten aufgeteilt: Wasserfuhrwerke, Kübelträger, Eimerträger.
 
Bei Ausbruch eines Feuers war der Postanstalt im Dorf oder, in der Bauernschaft Ondrup-Leversum, an der Ondruper Schule Meldung zu machen. Das Feuer mußte vom Kirchturm aus beobachtet werden, damit die Bekämpfung von Flugfeuer unverzüglich vorgenommen werden konnte. Der Feueralarm erfolgte über die Brandglocke der Kirche. Bei Alarmierungen hatten sich die Fahrer der Spritzen mit dem nötigen Pferdematerial beim Spritzenhaus einzufinden, wobei die Mannschaft der Spritze drei sich direkt zum Brandherd begab.

Im März und Oktober eines jeden Jahres wurden alle Geräte vom Amtmann in Augenschein genommen und überprüft. Notwendige Übungen wurden vom Vorstand angeordnet. Dazu mußten die Feuerwehrmänner mindestens einen Tag vorher per Boten bestellt werden. Eine Verordnung zu den Dienstabzeichen wurde erlassen. Außerdem wurden in die Feuerlöschordnung u.a. folgende Punkte aufgenommen: 

1. Alle Besitzer von Zugtieren und Jauchefässern mußten mit gefülltem Faß zur Brandstätte fahren. 
2. Während des Brandes war den Wirten verboten, geistige Getränke auszuschenken.
3. Mitglieder des Vorstandes waren als Polizeigehilfen anzusehen. 
4. Einrichtung eines Feuerschau-Ausschusses.


Der Feuerlöschordnung der Gemeinde Seppenrade war eine Polizeiverordnung angegliedert, die die entsprechenden Gesetze und Bestimmungen zum Feuerschutz der damaligen Zeit regelte. Verfaßt wurde diese Verordnung am 01. Juni 1886 und vom Gemeinde-Vorsteher Hellkuhl und dem Amtmann Cherouny unterzeichnet.
 
Der Nachtwächter hatte während seiner Nachtwache, bei Ausbruch eines Feuers, die Bewohner des entsprechenden Hauses zu wecken, den Brand bei der Feuermeldestelle zur Anzeige zu bringen und den vorgeschriebenen Alarm zu blasen. Der Dienst des Nachtwächters währte von April bis Oktober von 23.00 bis 3.00 Uhr und in der Zeit von Oktober bis März von 22.00 bis 4.00 Uhr. Jede volle Stunde mußte er, seine Wachsamkeit nachweisend, an folgenden Stellen der Reihe nach “abpfeifen“:


Joseph Pieper jun. Haus-Nr. 16; 
Theodor Hagemann Haus-Nr. 86; 
Wilhelm Holtermann Haus-Nr. 24; 
Knabenschule Haus-Nr. 94; 
Franz Köhler Haus-Nr. 34; 
Joseph Schlütermann Haus-Nr. 42; 
Wilhelm Reichelt Haus-Nr. 49 
Anton Dieckmann Haus-Nr. 79


Mit dem Ortsvorsteher und dem Amtmann hatten diese Verordnung die Gemeindeverordneten unterschrieben: 
Nopto   Pieper   Vormann   Ostrup   Gosmann   Hillebrand  Hörsten   Röckmann   Starke   Bernsjan

 

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